Jeder zweite Journalist empfindet die zunehmende Aggression gegen seine Berufsgruppe als Belastung. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie unter Leitung des Konfliktforschers Andreas Zick von der Universität Bielefeld hervor, die auf Initiative des Mediendienstes Integration erstellt worden war. Für die Studie wurden 783 Mitglieder des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) und der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) befragt. Bei der Erhebung im November und Dezember 2016 gaben 66,5 Prozent der  befragten Journalisten an, hasserfüllte Reaktionen auf journalistische Beiträge hätten in den letzten zwölf Monaten zugenommen. Gut 27 Prozent der Journalisten hatten dies auch in Bezug auf eigene Beiträge erlebt.  Davon besonders betroffen sind Reporter und Redakteure aus den Ressorts Politik, Wirtschaft und Lokales. Schreibt ein Journalist über Flüchtlinge, die AfD oder den Islam, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihm Hass entgegenschlägt, besonders hoch.

Als „Angriff“ im Sinne der Studie wurden Beleidigungen, Aufrufe zur Gewalt, körperliche Attacken und andere Straftaten wie zum Beispiel Sachbeschädigung gewertet. Nach Angaben der Forscher wurde ein Viertel der Journalisten im Zeitraum der Erhebung auf Demonstrationen, als Teilnehmer an Diskussionsrunden oder in Interviewsituationen verbal oder sogar körperlich attackiert.  Ebenso viele Journalisten berichteten von Aufrufen zur Gewalt. Jeder fünfte Studienteilnehmer erlebte Sachbeschädigung. 64 Prozent der Journalisten wurden bedroht, 79 Prozent erlebten Beleidigungen. 38 Prozent der Journalisten, die Zielscheibe von „Hate Speech“ wurden, erreichten die Angriffe über soziale Netzwerke oder über die Kommentarfunktionen ihres Mediums. Unter den Betroffenen machen drei Viertel ausschließlich ihre Rolle als Journalist für die Angriffe verantwortlich. Die restlichen 25 Prozent führen die Angriffe vor allem auf Unzufriedenheiten mit den Inhalten (77 Prozent) und der Darstellung von Sachverhalten (64 Prozent) oder die Ablehnung von Personengruppen (47 Prozent) zurück, über die berichtet wurde.

Rückhalt finden Journalisten vor allem im eigenen Kollegium

Mehr als 80 Prozent der Journalisten befürworten nicht nur die öffentliche Thematisierung von Hate Speech, sondern auch die strafrechtliche Verfolgung. Über die Hälfte der Befragten berichtet, es gebe in ihrer Redaktion keine Auseinandersetzung oder Hilfestellung zum Umgang mit Hate Speech und körperlichen Angriffen. Einige Redaktionen organisieren aber regelmäßigen Austausch (37 Prozent), einen juristischen Beistand (23 Prozent) oder Schulungsangebote (9 Prozent). Rückhalt finden Journalisten vor allem im eigenen Kollegium (66 Prozent).

„Publizieren wird zur Mutprobe“ — Die vollständige Studie zum Download

Weiterlesen: ZEIT ONLINE über die Studie

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