Category: Augenzeugenbericht

Björn Kietzmann: Polizei will Neonazis bei Bautzen-Aufmarsch „nicht stören“

Bautzen gilt als Hochburg des Rechtsextremismus und ist aktuell wieder ständig in den Schlagzeilen, zuletzt wegen der rassistischen Ausschreitungen Mitte September. Auch am 7. Oktober hatten sich dort wieder rund 300 Rechtsextreme und Sympathisanten auf dem Kornmarkt zu einer Demonstration versammelt. Der Fotograf Björn Kietzmann war vor Ort:   21 Stunden nach meiner Rückkehr aus dem Bürgerkriegsland Kolumbien, wo ich rund zwei Monate ohne bedroht oder angegriffen zu werden über den dortigen Friedensprozess berichtete, sitze ich gemeinsam mit einem befreundeten Agenturfotografen im Auto auf dem Weg ins sächsische Bautzen, wo am Abend Rechtsradikale aufmarschieren wollen. Ich ... zum Beitrag

Sören Kohlhuber: Wenn die Schutzinstrumente versagen

Sören Kohlhuber beobachtet als freier Journalist die Entwicklung der rechten Szene in Deutschland und dokumentiert regelmäßig deren Aufmärsche. Noch bis zum 27. ist er mit seinem Buch "Deutschland deine Nazis" auf Leserreise. „Polizisten sind keine Personenschützer für Pressevertreter“, tönte der Polizeipräsident von Berlin, Klaus Kandt, Ende 2014 im Innenausschuss. Hintergrund waren Forderungen vom Chef der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Berlin, Andreas Köhn, dass die Polizei die Pressefreiheit zu garantieren und zu schützen habe. Vorausgegangen waren der Auseinandersetzung massive Bedrohungen und Angriffe durch Neonazis bei einem Aufmarsch in Berlin-Marzahn. ... zum Beitrag

Hartmut Schneider: „Blessuren gelten als Statussymbol“

Das Interview mit dem Fotografen Hartmut Schneider führte Frank Überall. Herr Schneider, seit Jahren dokumentieren Sie fotografisch Aufmärsche und Veranstaltungen von Neonazis – zu journalistischen, aber auch zu Dokumentationszwecken. Warum verbringen Sie so viel Zeit auf solchen Veranstaltungen, auch wenn Sie daran meist kein Geld verdienen? Dazu zunächst eine Vorbemerkung: Ich sehe mich nicht als Journalist, sondern als Fotograf, der Zeiterscheinungen subjektiv dokumentiert und ordne mich daher eher der künstlerischen Fotografie zu. Spontan würde ich antworten, das frage ich mich auch oft, weil diese Veranstaltungen anstrengend, gefährlich und frustrierend sind. Der Grund ist, ... zum Beitrag

Pegida in Dresden: Zwischen Agitation und Ausflugsstimmung

Von Frank Überall, DJV-Bundesvorsitzender Es hat ein bisschen etwas von einer Klassenfahrt. Es ist Mitte März, und in der Dresdner Innenstadt ist es kalt. An einem Kiosk wird Glühwein für einen Euro verkauft. Viele Menschen auf dem Altmarkt aber haben eigene Thermoskannen mitgebracht. Rund 3.000 haben sich versammelt. Journalistinnen und Journalisten beobachten die Szenerie mit einem dumpfen Gefühl im Magen. Zu oft hat es hier Übergriffe auf Medienvertreter gegeben. An diesem Abend schaue ich auch zu. Um es vorweg zu nehmen: Es war ein ruhiger Abend, nicht so aufgeregt und gewaltbelastet wie viele Treffen der Pegida-Anhänger sonst in Dresden. Es gibt nur verbale Gewalt, und die richtet ... zum Beitrag

Ine Dipmann: „Sie schlagen mich?“

Ine Dippmann (41) ist seit Februar 2014 Landeskorrespondentin von MDR Info in Sachsen. Sie ist Landesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Sachsen. Dieser Augenzeugenbericht ist die Zusammenfassung eines Interviews, das sie mit Matthias Meisner (Tagesspiegel) führte. Am 11.1.2016 berichtete ich für den MDR Hörfunk als Live-Reporterin von verschiedenen Kundgebungen in Leipzig. Zwischen den stündlichen Live-Schalten von einem Ü-Wagen bin ich immer wieder an verschiedene Punkte der Innenstadt gegangen oder mit dem Rad gefahren. Zur Kundgebung von Legida bin ich erst am Ende gestoßen, da waren die Reden von Bachmann und Festerling schon durch. Gerade "sang" Hannes Ostendorf ... zum Beitrag

Die Angst vor der Aufklärung

Ein Gastbeitrag von David Schraven. Er leitet das Recherchezentrum CORRECTIV als Publisher und inhaltlicher Geschäftsführer Die Angst vor Nazis in Deutschland haben wir bei correctiv.org gespürt. Es war absurd. Es war töricht. Und die Angst kam aus gänzlich unerwarteten Richtungen. Die Geschichte beginnt mit einer Recherche zu den Verbindungen rechtsextremer Terrorgruppen aus dem Blood & Honour-Netzwerk ins Ruhrgebiet. Zu diesem Netzwerk gehörten auch die Terroristen Uwe Bönhhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, die sich NSU nannten – Nationalsozialistischer Untergrund. Und zu diesem Netzwerk gehörte eine Gruppe aus Dortmund, die sich um eine Nazi-Band mit Namen „Weisse ... zum Beitrag

Schutz gesucht, Anzeige und Platzverweis kassiert

Fallschilderung von Hendrik Pupat, freier Printjournalist, Leipzig Der Leipziger Pegida-Ableger Legida mobilisiert selten mehr als eine dreistellige Zahl an Teilnehmern. Dafür gilt er als noch radikaler als das Dresdner Vorbild. Stadtbekannte Neonazis spazieren vereint mit Hooligans neben Wutbürgern, deren Schilder Putin um Hilfe bitten und zum Wohl der Bienen „Gegen den Einsatz von Pesdiziden“ (ja: „d“) sind. Ein beliebter Redner nennt sich, auf die Volkserziehung anspielend,  „Friedrich Fröbel“. Er jongliert rassistisch mit Intelligenzquotienten, fordert das Einschreiten der Bundeswehr gegen „völkerwandernde Invasoren“ und die sofortige Verhaftung Angela Merkels. Zwar ... zum Beitrag

„Pegida“ brutal (nicht nur) in Köln: Knalltrauma, Schnittwunden, blaue Flecken

Seit mehr als 20 Jahren berichte ich über Aufmärsche von Rechtsextremen und Rechtspopulisten. Angenehm war das nie. Aber was man in diesen Monaten bei solchen Demonstrationen erlebt, stellt alles in den Schatten. Zum Beispiel am 9. Januar 2016 in Köln. Das war der Samstag nach den Silvester-Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof. Die Pegida-Bewegung hatte zur Kundgebung aufgerufen. Angeblich „nur“ besorgte Bürger. Im Vorfeld hatten sich die Organisatoren von jeglicher Form der Gewalt distanziert. Zumindest verbal. Als ich aus Berlin am Kölner Hauptbahnhof ankam, war die Szene schon etwas eigenwillig. Aggressiv anmutende Männer setzten im Bahnhofsgebäude schon zu dieser Mittagszeit ... zum Beitrag

Augenzeugenbericht von Marcus Arndt

Am 8.12.2015 fand in Duisburg eine fremdenfeindliche Demonstration der „Pegida“ statt. Meine Kollegin und ich sind als erfahrene Journalisten, mit Schwerpunkt auf Innenpolitik und Rechtsextremismus, nach Duisburg gereist, um darüber zu berichten, aber auch um die allgemeine und aktuelle Situation dieser sogenannten „besorgten Bürger“ aufzuzeichnen. Etwa 150 Pegida-Teilnehmer, wovon etwa 80 der HoGeSa- und Hooliganszene zuzurechnen waren, hetzten sich gegenseitig mit „Deutschland den Deutschen“ und sonstigen fremdenfeindlichen Parolen während der Rednerpausen auf. Wir als Journalisten standen mit unseren Kameras etwa 10 Meter von den Hundertschaften der Polizei entfernt und begannen ... zum Beitrag

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